770. Tatort: Am Ende des Tages (HR; EA: 05.09.2010)
| Ermittler: Hauptkommissarin Charlotte Sänger (Andrea Sawatzki), Hauptkommissar Fritz Dellwo (Jörg Schüttauf), Kommissariatsleiter (a. D.) Rudi Fromm (Peter Lerchbaumer), Staatsanwalt Dr. Scheer (Thomas Balou Martin) Besetzung: Rudi Fromm [jung] (Antonio Wannek), Nikolaus Graf (Richard Sammel), Nikolaus Graf [jung] (Constantin von Jascheroff), Regina “Gina” Graf (Kim Riedle), “Chabou”-Besitzer Bruno Swoboda (Georg Friedrich), Bernadette “Rosi” Rosenhügel [Club-Angestellte "Chabou"] (Angelika Bartsch), Katrin Fromm [Rudis Tochter] (Jördis Triebel), Herta Fromm [Rudis Ehefrau] (Barbara Focke), Laurent Lenz [Buchhändler] (Tom Schilling), Hubert Walter [Rudis Nachfolger und Fliegenträger] (Michael Lott), Senkel [Häftling] (Rolf Becker), Direktorin JVA (Jule Gartzke), Hans Sarkowicz [Pförtner Kommissariat] (Walter Renneisen), Bea Ziegler [Rudis Geliebte und Buchhändlerin] (Brigitte Karner), Paul [Rudis Freund im Wettbüro] (Matthias Scheuring), Polizeianwärterin i.P. Fröhlich [bewundert Fritz] (Julia Hartmann), Milchmann – N.N, Theaterkollegin von Fromms Tochter [im Stück "Lulu"] (Liese Lyon), Theaterkollege von Fromms Tochter [im Stück "Lulu"] (Till Weinheimer), Drehbuch & Regie: Titus Selge |

“Ich habe das Gefühl, dass wir das alles hier zum letzten Mal machen.” Charlotte Sänger irrt sich nicht, denn sie gibt mit ihrem Partner Dellwo, den sie am Ende sogar sentimental Fritze nennt, ihren Ausstand. Anstatt sich um die Nachfolge ihres inzwischen ehemaligen Vorgesetzten Rudi Fromm zu prügeln, dürfen sie in seiner Angelegenheit ermitteln und können seinen Nachfolger mit der Fliege ganz gut ignorrieren. Sie geben sich ganz harmonisch, küssen sich sogar und nehmen am Ende ein gemeinsames Tagesabschlussgetränk, also einen Absacker, zu sich. Passend zu diesem Fall müssen sie sich mit Dosenbier begnügen.
In der Nacht vor seiner Pensionierung gibt sich der Vorgesetzte von Dellwo und Sänger ganz seinen Gefühlen hin. Er genießt die Nacht mit seiner Freundin. Am nächsten Morgen, als er sich rasierend aus dem Bad kommt, muss er zusehen, wie sie in seinem Bett erschossen wird. Obwohl unschuldig, sieht Fromm sieht keine andere Möglichkeit als unterzutauchen. Er schafft es gerade noch, sich den Schaum aus dem Gesicht zu wischen. Zu seiner Verabschiedung erscheint er nicht.
Er sieht sich mit seiner Vergangenheit konfrontiert. Vor 20 Jahren hat er nach einem Banküberfall den Komplizen Von Nikolaus Graf erschossen. Graf rächt sich nach seiner Entlassung auf seine Art. Als auch noch Fromms Tochter erstochen wird, taucht der gebrochene Polizist aus der Versenkung auf und arbeitet mit seinen ehemaligen Ermittlern zusammen.
In ihrem letzten gemeinsamen Fall zeigen Sänger und Dellwo, daß sie Ermittler sind, die sich aufeinander verlassen können. Waren sie zuletzt mit ihren Befindlichkeiten beschäftigt, raufen sie sich wieder zusammen, um ihren pensionierten Leiter, an dessen Unschuld sie dennoch kurz zweifeln, rauszuhauen. Melancholisch und doch klar ermitteln sie in einem Fall, der für beide eine persönliche Herausforderung ist.
Das kann leider nicht darüber hinweg täuschen, daß “Am Ende des Tages” ein eher schwacher Tatort ist. Getragen von hervorragenden Schauspielern (vor allem Jördis Triebel und Peter Lerchbaumer) kommt die letzte Folge nur schwer in die Gänge und entwickelt sich erst nach etwa einer Stunde zu einem sehenswerten Fall. Sie hatten viele schwermütige und anstregende Fälle wie wie “Herzversagen”, skurrile wie “Wo ist Max Gravert?” und absurde, mit dem Genre spielenden wie “Weil sie böse sind” und stimmungsvolle wie “Architektur eines Todes”. Für mich waren sie das Tatort-Team des vergangenen Jahrzehnts. Es ist bedauerlich, daß die Zerwürfnisse zwischen den beiden Hauptdarstellern offenbar so groß waren, daß eine weiter Zusammenarbeit nicht möglich war.
(6,5/10)
Joachim Król (als Essener ZDF-Samstagsermittler Lutter wirklich hervorragend) und Nadine Kunzendorf treten in große Fußstapfen. Es ist ihnen zu wünschen, daß sie ähnlich starke Drehbücher bekommen wie ihre Vorgänger. Zuvor ermittelt Ulrich Tukur als Nachfolger des pensionierten Polizeirufs-110-Kommissars Keller im Jubiläumsfall zum 40. Geburtstag des Tatort das erste Mal.
Anhang
Hintergrund: Tatort-Fundus
Meinungen: Annabell, Fielitz, Tittelbach.tv, Tatort-Forum























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